Hochburg des Nationalsozialismus

Daran dass Tübingen eine Hochburg des Nationalsozialismus in der Region war, hatte die Universität einen zentralen Anteil. An mehreren Instituten versuchten Wissenschaftler, die nationalsozialistische Rassenlehre und Eugenik, sowie die deutsche Expansionspolitik zu legitimieren und beteiligten sich durch eugenische und Rassengutachten an der nationalsozialistischen Biopolitik. An den Universitätskliniken wurden Zwangssterilisationen bei vermeintlich 'Erbkranken' und bei Sinti vorgenommen.

In dem vorwiegend deutschnational und völkisch-antisemitisch geprägten akademischen Milieu der Universitätsstadt politisierten sich zahlreiche Studenten, die später eine Karriere in den Verwaltungs-, Partei- und Polizeistellen des nationalsozialistischen Deutschlands machten und an Verbrechen bis hin zur Leitung von Erschießungskommandos der Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdiensts der SS beteiligt waren. Als Sitz zahlreicher Verwaltungs- und Polizeibehörden, darunter auch Außenstellen der Gestapo, der Kriminalpolizei und des Sicherheitsdiensts der SS beherbergte Tübingen auch viele Akteure, die Verbrechen an Verfolgtengruppen anordneten oder umsetzten. Vertreter der NSDAP, wie etwa die Kreisleiter Helmut Baumert und Hans Rauschnabel inszenierten einerseits durch Aufmärsche die 'deutsche Volksgemeinschaft' und trieben gleichzeitig der Verfolgung derjenigen voran, die zu politischen, 'rassischen' oder sozialen Feinden des nationalsozialistischen Deutschlands erklärt worden waren.

 

Naziverbrecher Martin Sandberger hat in Tübingen studiertMartin Sandberger (1911-2010) Jurastudium und nationalsozialistisches Engagement von 1931-1934 in Tübingen.
Ab 1941 Befehlshaber des Einsatzkommandos 1a und "Kommandeur der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdiensts der SS" in Estland. Organisator des Massenmordes an den dortigen Juden. Aufnahme 1948 in US-amerikanischer Haft.
(National Archives Washington, public domain)