Grabert - ein extrem rechter Verlag

Grabert - ein extrem rechter Verlag

Information und Aufklärung gegen nationalistische Geschichtsmythen, völkischen Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus:
Dem politisch-ideologischen Einfluß der extrem rechtslastigen Publizistik der Tübinger Grabert-Verlage wollen wir mit Informationen und Aufklärung entgegentreten und so auch einen Beitrag zur demokratischen politischen Bildung leisten.

Unsere Mittel sind inhaltliche Auseinandersetzung und Protest. Da auch ein seltsamer, provokatorischer Aufruf zum Verlagshaus Grabert im Internet kursiert (2009), betonen wir das eigentlich Selbstverständliche: Sachbeschädigungen oder gewaltähnliche Aktionen gegen das Verlagshaus Grabert lehnen wir nicht nur ab, wir verurteilen derartige Absichten oder Aktionen auch als grundsätzlich falsch, menschenfeindlich und politisch schädlich.

Ausstellung zum Grabert-Komplex. Eine von der Arbeitsgruppe ›Zeitgeschichte und Rechtsradikalismus‹ der Geschichtswerkstatt Tübingen e.V. erarbeitete Ausstellung wurde vom 8.11. 2010 bis zum bis 30.1.2011 in der Volkshochschule Tübingen gezeigt. Für finanzielle Förderung der Ausstellung danken wir der Amadeu Antonio Stiftung sowie der Kreisvereinigung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten Tübingen/Mössingen.

Bericht von der Ausstellungseröffnung, Schwäbisches Tagblatt, 10.11.2010: 
»Ein brauner Hardcore-Verlag.
Geschichtswerkstatt eröffnete Ausstellung zum Grabert-Komplex.
Vor einem rund 50-köpfigen Publikum eröffnete die Geschichtswerkstatt am Montagabend in der Volkshochschule die Ausstellung über die Grabert-Verlage: ›Braune Geschichtslügen aus Tübingen.‹ (…)« Weiterlesen »»»

Die Ausstellung kann ausgeliehen werden, bitte setzen Sie sich bei Interesse per E-Mail mit uns in Verbindung.

Buchempfehlung: Finkenberger, Martin; Junginger, Horst (Hg.) (2004): Im Dienste der Lügen. Herbert Grabert (1901-1978) und seine Verlage. Aschaffenburg: Alibri. Informationen zumInhaltsverzeichnis, vgl. Link.

Der Tübinger ›Grabert-Verlagskomplex‹ (Wigbert und Bernhard Grabert) gehört zu den ältesten und bedeutendsten extrem rechten Verlagshäusern der Bundesrepublik Deutschland.

Der ehemalige Universitäts-Dozent Dr. habil. Herbert Grabert und spätere Gründer des ›Grabert-Verlags‹ war in den 1920er Jahren im ›Köngener Bund‹ und den 1930er Jahren u.a. im Kontext einer völkisch-nationalsozialistischen ›Deutschen Glaubensbewegung‹ aktiv, die eine germanisch-neuheidnische, antichristliche und antisemitische ›Dritte Konfession‹ für das ›Dritte Reich‹ proklamierte, bevor Herbert Grabert den Nationalsozialismus selbst als Glaubensinhalt erkannte. Ab etwa 1936/37 wirkte er als nationalsozialistischer Religions- und Kulturwissenschaftler und Historiker. Wegen der von ihm vertretenen Auffassungen konnte er seine Universitätskarriere nach dem Zusammenbruch des ›Dritten Reiches‹ nicht fortsetzen.

Frühe Autoren des Grabert-Verlags der 1950er Jahre hatten oft einen nationalsozialistischen oder völkischen Hintergrund. (Der Grabert-Verlag hieß in der Anfangszeit ›Verlag der Deutschen Hochschullehrer-Zeitung‹). Aktuelle Autoren sind nicht selten als Ideologen, Politiker oder Funktionäre verschiedener rechtslastiger Organisationen oder Parteien aktiv.

Seit den 1960er Jahren arbeitet das Verlagshaus Grabert an einer Etablierung ›revisionistischer‹ Geschichtsverfälschung. Deutsche Kriegsschuld und Holocaust werden relativiert oder geleugnet. Verlag und Autoren versuchen, nationalistischem und völkisch-rassistischem Denken sowie antisemitischen Ressentiments neue Geltung zu verschaffen. Autoren der Grabert-Verlage leisteten unter anderem auch Beiträge zur Modernisierung rechtsradikaler ›Weltanschauung‹.

Nach dem Tod seines Vaters Herbert Grabert 1978 übernahm sein Sohn Wigbert Grabert den väterlichen Verlag auch als Eigentümer, die Geschäftsführung lag bereits vorher in seinen Händen. Längst ist Bernhard Grabert, ein Sohn von Wigbert Grabert, als 2. Geschäftsführer des von Wigbert Grabert gegründeten ›Hohenrain Verlags‹ in das Geschäft mit rechtslastigen Büchern eingestiegen. Seine erste eigene Firma ›Media Service Bernhard Grabert‹ existiert offensichtlich nicht mehr.

»Wien: [Grabert-Autor] Nordbruch und die zweifelnden Freiheitlichen

10. März 2011

Am 23. Februar 2011 weilte einer in Wien, der es wissen muss. Dr. Claus Nordbruch durfte auf Einladung des Buchdienstes Freisinn und der rechtsextremen Gesellschaft für freie Publizistik im ›Haus der Heimat‹ Thesen aus seinem überarbeiteten Büchlein ›Machtfaktor Zionismus‹ zum besten geben und mit verunsicherten Freiheitlichen diskutieren. Die ›National-Zeitung‹ berichtet, dass sich ›über 70 Interessierte, vor allem aus dem freiheitlichen Spektrum, darunter auch Bezirks-, Landtags- und Nationalratsabgeordnete‹ die Debatte mit Nordbruch zu diesem Thema nicht entgehen lassen wollten.

Nordbruch tritt gerne als vornehmer Rechtsextremer und Apartheidbefürworter auf. Eine offene Leugnung des Holocaust? Nein, nicht mit ihm! Er macht es lieber versteckt .«

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Der Grabert-Autor Prof. Dr. Helmut Schröcke: Kriegsschuldleugnung, Relativierung des Holocaust und Antisemitismus – Buch von 2009 Mitte Januar 2011 indiziert.

Helmut Schröcke gehörte 1981 zu den Autoren und Initiatoren des berüchtigten »Heidelberger Manifestes«, das auch mehrfach in der Grabert-Zeitschrift ›Deutschland in Geschichte und Gegenwart‹ abgedruckt wurde (4/1981, 4/1991, 3/2006). Erstmals nach 1945 sollten Rassismus und Fremdenfeindlichkeit 1981 öffentlich erneut eine – wenn auch umstrittene – Legitimation durch deutsche Wissenschaftler erhalten. Dieses völkisch-biologistische ›Manifest‹ führte damals zu vielen Protesten und auch zu einer »Erklärung der Professoren der Ruhr-Universität Bochum«(16.02.1982). Schröcke arbeitete aktiv mit unterschiedlichen rechtslastigen Organisationenzusammen.

Sein 2009 im ›Grabert-Verlag Wigbert Grabert‹ erschienenes Buch »Der zweite Weltkrieg. Ursache – Hintergründe – Kriegsschuld – Folgen« mag belegen, dass der Verleger Wigbert Grabert noch immer an der Umsetzung seiner programmatische Aussagen von 1978 und 2003 arbeitet. Einige Zitate aus dem umfangreichen Buch (399 S., 19,80 Euro), das als krude Zusammenstellung von NS-Apologie, Leugnung der deutschen Kriegsschuld, Relativierung der Shoah und Kompilationen klassischer antisemitischer Verschwörungskonstrukte charakterisiert werden kann, sollen diese These illustrieren:

»Auf die Auseinandersetzung mit Autoren wie Hildebrand, Hillgruber, Fest, Graml, Jacobsen, Hofer u. a. m., die das Geschichtsbild der Sieger vertreten, kann hier verzichtet werden […]« (S. 13) In seinem Widerspruch gegen die »Deutsche Alleinschuld« am ›Zweiten Weltkrieg‹ übergeht er die›Verhinderer der Wahrheitsfindung‹ (Schröcke), d.h. die seriöse Geschichtsforschung erklärtermaßen komplett. In seinem ›Durchbruch zur Wahrheit‹ fragt er primär nach den sogenannten»Hintergrundmächten und deren Interessen, den Mitteln und Werkzeugen, von denen die [politischen] Akteure gesteuert oder beeinflusst wurden.« (S. 12)

Dabei kommt er immer wieder zu Thesen wie: »die Hochfinanz und die von ihr gesteuerten Mächte«seien »die letzten Verursacher und Hauptschuldigen« des ›Zweiten Weltkrieges‹ gewesen. (S. 328)

Oder: »Dazu gehören insbesondere folgende Gruppen: die Freimaurerei und ihre Hilfsorganisationen, die internationale Hochfinanz und zionistische Weltorganisationen.« (S. 74)

Die »internationale Hochfinanz« besteht für ihn vor allem aus mächtigen, einflußreichen »jüdischen« Einzelpersonen, Banken oder Organisationen, die er immer wieder aufzählt.

Den Nationalsozialismus stellt er wie eine geistige Befreiungsbewegung dar:
»Der historische Gesamtablauf nach den Versailler Friedensdiktaten wurde von den Weltmächten USA und UdSSR beherrscht, deren geistige Grundlagen auf völligen Gegensätzen und ihrem Zusammenspiel beruhten. Dem gegenüber war der Nationalsozialismus die geistige Überwindung sowohl von Marxismus und Bolschewismus als auch des Liberalismus und des Kapitalismus, indem die Entwicklung der humanbiologischen Entwicklung der letzten 30 bis 40 Jahre vorweggenommen wurde, die in der Erkenntnis mündete: Völker sind genetische Gesamtheiten und deshalb Abstammungs- und Vererbungsgemeinschaften mit der Anerkennung der das deutsche Volk kennzeichnenden Wertordnung (Volksgemeinschaft, Leistung, Pflichterfüllung).« (S. 316 f)

Im vorstehenden Zitat bezieht sich Schröcke auf das ›Heidelberger Manifest‹, das er mit formuliert hatte. Beachtenswert: die Nationalsozialisten haben in seiner Sicht die später von ihm im ›Heidelberger Manifest‹ zusammengefassten ›humanbiologischen‹ Rassismen vorweggenommen. Auch das Umgekehrte lässt sich aus diesen Zeilen lesen: er hält das Heidelberger Manifest für eine Fortschreibung nationalsozialistischer Ideologie. Und so betätigt er hiermit deutlich die Kritiker des ›Heidelberger Machwerks‹.

»Die freiwillige Selbstauflösung der Parteien nach 1933 war ein Zeichen dafür, daß keine Alternative mehr gesehen wurde.“ »Daß der Nationalsozialismus die inneren Verhältnisse Deutschlands autoritär prägte … aber anders waren die Verhältnisse damals nicht zu ändern.« (S. 72)

Deutlicher lässt sich die NS-Apologie kaum formulieren. Ganz nebenbei verharmlost er mit diesen Zeilen die verbrecherische und menschenfeindliche nationalsozialistische Terrordiktatur. Sind seiner Meinung nach in bestimmten historischen Situationen ›autoritäre‹ Lösungen angezeigt, die auch schon mal nach dem Vorbild des Nationalsozialismus ausfallen dürfen?

Verbrechen der Nationalsozialisten werden von ihm teilweise schlicht geleugnet, zu den Massenmorden an Juden in Babi Jar behauptet er beispielsweise: »Durch Luftbildauswertungen konnte festgestellt werden, daß im gesamten Krieg die Schlucht von Babi Jar von keiner Erdbewegung betroffen worden war.« (S. 292) So will er den Lesern nahe legen, dass es keine NS-Massenmode in Babi Jar gegeben habe.

»… fanden sich über 30 000 Juden ein …«

Die Website ›Holocaust-Referenz‹ schreibt zum Umgang der Geschichtsrevisionisten mit dem nationalsozialistischen Massaker von Babi Jar:

»Die Schlucht Babi Jar bei Kiew, wo Ende 1941 binnen weniger Tage mehr als 33000 Juden erschossen wurden. [vgl. Bild beim unten angegebenen Link.]

Holocaust-Leugner greifen in ihrer Propaganda vor allem jene Ereignisse auf, denen ein gewisser Symbolcharakter zukommt. So stehen die ›Zweifel‹ an den Massenmorden in Auschwitz stellvertretend für das Bestreiten des nationalsozialistischen Judenmordes überhaupt.

Dem Massaker in der Schlucht Babi Jar bei Kiew kommt eine ähnliche Bedeutung zu. Könnte man nachweisen, dass dieses Ereignis nicht stattgefunden hat, so glauben die Zweifler, dann hätte man einen wichtigen Eckpfeiler dessen zerstört, was von Auschwitzleugnern mitunter als ›Holohoax‹ bezeichnet wird, als ›Holocaust-Schwindel‹ «. Weiterlesen »»»

»Hintergrundmächte« als Hauptschuldige. Schröcke-Buch indiziert

bnr-Meldung vom 15.01.2011: »Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat das 2009 im revisionistischen Tübinger Grabert-Verlag erschienene Buch ›Der Zweite Weltkrieg Ursachen –Hintergründe – Kriegsschuld – Folgen‹ von Helmut Schröcke (Jg. 1922) auf den Index gesetzt.

In dem 400 Seiten umfassenden Machwerk werden immer wieder verschwörungstheoretische und antisemitische Stereotypen aufgegriffen. Demnach diktieren ›Hintergrundmächte‹, namentlich ›zionistische Weltorganisationen‹, die ›internationale Hochfinanz‹ und die ›Freimaurerei‹ das weltpolitische Geschehen. Verbündet mit dem ›Bolschewismus‹ hätten die ›Hintergrundmächte‹ die Weltherrschaft angestrebt und seien deshalb die ›Hauptschuldigen‹ am Zweiten Weltkrieg. So schreibt Schröcke: ›Da aber die weltweit positiven Resonanzen auf das Deutschland nach 1933 sowohl von der New Yorker Hochfinanz als auch vom Bolschewismus als höchste Gefahr erkannt wurden, mussten der Nationalsozialismus und Deutschland in einem Zweifrontenkrieg vernichtet werden.‹ Die ›Hochfinanz und die von ihr gesteuerten Mächte‹ seien ›die letzten Verursacher und Hauptschuldigen‹ des Zweiten Weltkrieges. Diese ›Hintergrundmächte‹ waren ›getrieben vor allem von alttestamentarischem Hass gegen alles Deutsche‹.« Weiterlesen »»»

 

8. Dezember 2010: Volksverhetzung. Urteil gegen rechtsextremen Verleger gilt.

Aus der mündlichen Urteilsverkündung des Tübinger Landgerichts am 21.12.2009, wie gehört:

»Die Berufung des Angeklagten Wigbert Grabert gegen das Urteil vom 6.2.2007 wird verworfen. Auf Grund der Berufungen der Staatsanwaltschaft werden die Urteile des AG Tübingen vom 6.2 2007 und vom 12.11.2007 aufgehoben.

Wigbert Grabert ist der Volksverhetzung in zwei Fällen beschuldigt.

Er wird zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt, wovon zwei Monate wegen der nicht vom Anklagten zu verantwortenden Verzögerungen bereits als vollstreckt gelten. Die Vollstreckung der Freiheitsstrafe wird zur Bewährung ausgesetzt.

Die am 8.6.2006 in den Geschäftsräumen des Grabert-Verlages sichergestellten 144 Exemplare der Zeitschrift ›Deutschland in Geschichte und Gegenwart‹ 1/2006 und am 31.5.2007 aufgefundenen 378 Exemplare der Zeitschrift ›Deutschland in Geschichte und Gegenwart‹ 1/2007 werden eingezogen.

Der Angeklagte trägt die Kosten des Berufungsverfahrens inklusive der Auslagen der Staatskasse.

Bewährungsbeschluss:
Die Bewährungszeit beträgt 3 Jahre, der Angeklagte muss EUR 3.000,- an die SOS-Kinderdörfer zahlen, in monatlichen Raten von EUR 150.- , beginnend, wenn das Urteil Rechtskraft erhält. Der Angeklagte muss Änderungen seines Wohnsitzes dem Gericht mitteilen.«

Das Urteil bezieht sich bei ›Deutschland in Geschichte und Gegenwart‹ 1/2007 nur auf den Artikel von H. Schaller, der Artikel Wiesholler ist nicht mehr Gegenstand des Verfahrens.

Es folgt die Begründung des Gerichts …

Gegen das Urteil des Landgerichts Tübingen vom 21.12.2009 hatte Wigbert Grabert Revision eingelegt, über die im Dezember 2010 entschieden wurde.

Wir zitieren im Folgenden einen Artikel des ›Boulevard Baden‹ vom 09.12.2010:

»Tübingen/Stuttgart (dapd). Die Verurteilung des Tübinger Verlegers Wigbert Grabert wegen Volksverhetzung ist rechtskräftig. Das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart verwarf die Revision des Angeklagten und bestätigte ein Urteil des Landgerichts Tübingen vom 21. Dezember 2009, wie das OLGam Donnerstag mitteilte. Das Landgericht hatte in einem von Verteidigung und Staatsanwaltschaft angestrengten Berufungsverfahren den Besitzer des als ultrarechts geltenden Grabert-Verlags zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt.

Grabert wird vorgeworfen, in zwei Ausgaben seiner Zeitschrift ›Deutschland in Geschichte und Gegenwart‹ Schriften mit volksverhetzendem Charakter verbreitet zu haben. So sei in einem im Januar 2007 veröffentlichten Artikel zu feindseligem Verhalten gegenüber Immigranten, vor allem gegenüber Afrikanern, aufgerufen worden. Ausländer seien in dem Artikel pauschal als schwer kriminell und gefährlich dargestellt worden.

In der Ausgabe vom Januar 2007 habe ein Autor ›in pseudo-juristischer Weise‹ die Strafprozesse im Zusammenhang mit dem Massenmord an den Juden verurteilt. Er hatte argumentiert, die Prozesse hätten zu Unrecht stattgefunden, da der Beweis fehle, dass es den Holocaust überhaupt gegeben habe. Diese Äußerungen habe der wegen Volksverhetzung und dem Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz bereits vorbestrafte Verleger nicht verbreiten dürfen. Das Gericht hatte die Einziehung der Zeitschriftenexemplare angeordnet.

Der Grabert-Verlag in Tübingen wird nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung vom baden-württembergischen Landesamt für Verfassungsschutz zu den ›größten organisationsunabhängigen rechtsextremistischen Verlagen in Deutschland‹ gezählt. 1953 wurde der Grabert-Verlag als ›Verlag der deutschen Hochschullehrer-Zeitung‹ gegründet und 1974 umbenannt. Mitsamt seinem Tochterunternehmen Hohenrain-Verlag gehört er zu den bekanntesten rechtsextremen Verlagen in Deutschland. Gute Kontakte unterhält das Verlagshaus um Wigbert Grabert zu der NPD-nahen Zeitschrift Nation und Europa, zu dem DVU-Chef und Verleger Gerhard Frey und der Zeitung ›Junge Freiheit‹. dapd«

Quelle: http://www.boulevard-baden.de/ueberregionales/politik/2010/12/09/rechtsextremer-verleger-wegen-volksverhetzung-rechtskraftig-verurteilt-292048 (am 10.12.2010 zuletzt aufgerufen)

Verleger Wigbert Grabert: Legenden zu Geschichte und Gegenwart – Verbreitung von Geschichtslügen als Geschäft.

Der im Februar 1941 geborene Wigbert Grabert schloss seine Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr als Reserveoffizier ab. Er studierte Betriebs- und Volkswirtschaftslehre (Abschluss Diplom) und arbeitete seit 1964 im elterlichen Verlagshaus mit. 1972 übernahm er die Leitung des Verlags, den er seit dem Tod seines Vaters Herbert Grabert als Eigentümer und Verleger führt.

In einem Interview in der ›Deutschen Stimme‹, dem politischen Organ der extrem rechten NPD(›Nationaldemokratische Partei Deutschland‹), schildert Wigbert Grabert im November 2003 die damalige Entwicklung so: »Die Gründung einer Versandbuchhandlung und Übernahme einer Buchgemeinschaft waren meine ersten selbständigen Schritte in eine Verlegerzukunft. In die Auswahl, Produktion und den Vertrieb der Bücher wuchs ich erst langsam hinein, was mir deshalb leichtfiel, weil ich mich für Geschichte und Politik schon als junger Mensch sehr interessierte. 1972 übernahm ich dann den Betrieb und 1978, nach dem frühen Tod meines Vaters, auch die Zeitschrift, die ich als ›DGG‹ bis heute fortführe.« Ab etwa 1973 erschienen die Bücher des vormaligen ›Verlags der Deutschen Hochschullehrer-Zeitung‹ im neu ins Handelsregister eingetragenen ›Grabert-Verlag Wigbert Grabert‹.

1978 stirbt der Verlagsgründer Herbert Grabert.
»Der Kurs ist klar. Wir halten ihn ein.« Wigbert Grabert

Der neue Herausgeber der ›Deutschland in Geschichte und Gegenwart‹ Wigbert Grabert kündigt inHeft 3/4 von 1978 an, dass er am ›hohen Ziel‹ seines Vaters, dem ›deutschen Erwartungshorizont‹ des ›Deutschen Reiches‹ festhalten werde.

Wie um sein Versprechen einzulösen, für ein ›Viertes Reich‹ zu arbeiten, setzte Wigbert Grabert den einschlägig praxiserfahrenen Legion Condor-Kämpfer und Kriegsberichterstatter Wilfred von Oven als Chefredakteur der Zeitschrift ein. Von Oven war bis 22.04.1945 als ranghoher Mitarbeiter und Pressereferent des nationalsozialistischen ›Reichsministers für Propaganda Joseph Goebbels‹tätig gewesen. Über diese Zeit berichtet Wilfred von Oven auch in seinem 1974 in Tübingen bei Grabert erschienen Buch ›Finale furioso. Mit Goebbels bis zum Ende‹.

Der ehemalige Mitarbeiter des nationalsozialistischen Reichspropagandaministeriums sorgte dann auch für eine deutliche inhaltliche Verschärfung des vom Grabert-Verlag publizierten ›Propagandaschrifttums‹. Dieses kann nur mit Billigung des zu diesem Zeitpunkt noch jungen Verlegers Wigbert Grabert geschehen sein.

2003 wurde Wigbert Grabert von der extrem rechten ›Gesellschaft für Freie Publizistik‹ für seine verlegerischen Verdienste mit der ›Ulrich-von-Hutten-Medaille‹ geehrt. Diese war erstmals 1964 dem Erfolgsautor des damaligen Grabertschen ›Verlags der Deutschen Hochschullehrer-Zeitung‹David L. Hoggan verliehen worden. In seiner Dankesrede bezog sich Wigbert Grabert auf dieses Hoggan-Buch von 1961: Der erzwungene Krieg. Die Ursachen und Urheber des 2. Weltkriegs. Übersetzer und Bearbeiter: Herbert Grabert. Mitarbeit: Elsabe Narjes. 1. Aufl. 1961, 14. Aufl. 1990.(vgl. auch Ausstellungstafel 5): »Die Hofhistoriker-Innung um Rothfels und Hofer jaulte auf. Das›Institut für Zeitgeschichte‹ wurde bemüht, Hoggan zu widerlegen, was aber trotz aller Bemühungen niemals gelang.«

Dazu ist festzustellen: eine derartige Behauptung kann nur aufstellen, wer die Quellen und Forschungsergebnisse zur Zeitgeschichte weitestgehend ignoriert.

Graberts Laudator, der sudetendeutsche Kunsthistoriker Prof. Dr. Richard W. Eichler erwähnte besonders die »Bücher und Zeitschriftenbeiträge zur germanischdeutschen und der weltweiten Vor- und Frühgeschichte, ich nenne hier nur die Bücher von Jürgen Spanuth […]«. Eichler, Richard W(enzel) (2003): Laudation für den Huttenpreisträger Wigbert Grabert. In: Gesellschaft für Freie Publizistik e.V. (GFP): Kongress-Protokoll/-Report, S. 141–148.) Dies war kein Zufall, denn Wigbert Grabert ist selbst in einschlägigen Kreisen von Ur- und Frühgeschichts-Laienforschern aktiv (gewesen?). In diesen ›Forschungskreisen‹, die teilweise historischen Traditionslinien derSS-›Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe e.V.‹ von Hermann Wirth und Heinrich Himmlerfortführen, werden fast alle Hochkulturen der Vergangenheit als Abkömmlinge einer einstigen weltbeherrschenden Kultur einer nordisch-arischen Herrenrasse konstruiert. Wie bei den Grabert-Verlagen stellt man sich auch hier die Aufgabe einer »Entlarvung des bisher als ›unsere‹ Geschichte uns aufgenötigten Geschichtsbildes«. (vgl. Bellmund/Siniveer (1997): Kulte, Führer, Lichtgestalten. Esoterik als Mittel rechtsradikaler Propaganda, S. 143 ff etc.)

In seiner Dankesrede benennt Wigbert Grabert einige Motive für sein geschichtsverfälschendes Verlagsprogramm. Seine Darstellung kann auch als programmatische Aussage entschlüsselt werden: »Stand anfänglich nur die Kriegsschuldfrage im Vordergrund, galt es in den siebziger Jahren auch das heiße Eisen der ›Endlösung‹ anzufassen und wissenschaftlich aufzuarbeiten. Wie sich zeigen sollte, ein schweres verlegerisches Unterfangen. Im Jahre 1978 erschien […] von Wilhelm Stäglich ›Der Auschwitz-Mythos‹. Dieses von Sachlichkeit [!] getragene Werk sollte als Reaktion auf die damals laufende Hollywoodserie ›Holocaust‹ verstanden werden, die, von jeglicher Faktenlage abgehoben, den sogenannten ›emotionalen Einstieg‹ in diese schwierige Materie einläuten sollte: Es ging fortan nicht mehr darum, sich an der historischen Wahrheit und an den Dokumenten zu orientieren, als vielmehr darum, was ›geglaubt‹ und was ›gesagt‹ werden durfte.« (Grabert, Wigbert (2003): Dankesworte des Preisträgers. In: Gesellschaft für Freie Publizistik e.V. (GFP): Kongress-Protokoll/-Report, S. 149–154.)

In diesen Formulierungen wird die politisch-ideologische Leitorientierung der Publikationspolitik der Grabert-Verleger Herbert und Wigbert Grabert deutlich offen gelegt. Wigbert Grabert geht in seiner Darstellung zudem von einem in der Tradition nationalistischer und nationalsozialistischer Propaganda stehenden geschichtlichen ›Wahrheitsbild‹ aus, das in einem krassen Gegensatz zu allen zeitgeschichtlichen Forschungsergebnissen steht. Der wissenschaftliche Erkenntnisstand zum Nationalsozialismus wird als ›Siegerpropaganda‹ diffamiert, die eigenen geschichtsmythologischen, ns-apologetischen Vorstellungen als angeblich wissenschaftlich abgesichert dargestellt.

Braune Geschichtslügen, völkischer Nationalismus und Antisemitismus als Verlagsprogramm:

Wigbert Grabert weiter im Originalton seiner Feindbilder konstruierenden Dankesrede: »Im Laufe der Jahre ist mir jedoch immer deutlicher geworden, dass neben den inneren Feinden im eigenen Land ein übermächtiger Feind im Äußeren steht, dem es um nichts anderes geht, als die Völker dieser Erde in einen globalen Käfig zu sperren, um sie fortan zu beherrschen und wirtschaftlich auszubeuten. Diesen Bestrebungen galt es, fortan entgegenzuwirken, um vermeidbaren Schaden von unserem Volk abzuwehren, galt es, alles daran zu setzen, die wahren Hintergründe dieser schleichenden Welteroberung auszuleuchten und zu bekämpfen. So änderte sich der Schwerpunkt der Veröffentlichungen mehr und mehr zu geopolitischen Themen, wobei die US-amerikanische Ostküste besondere Beachtung finden sollte. Sie dürfen zu diesem Thema in nächster Zukunft noch einige aufklärende und enthüllende, ja sensationelle Neuerscheinungen aus unserem Hause erwarten, wobei ich mit Ihrer aller Unterstützung an der Leserfront rechne.«

In der Sprache der Antisemiten steht der Ausdruck »US-amerikanische Ostküste« für das als allmächtig phantasierte sogenannte ›internationale Judentum‹. Auch Wigbert Grabert interpretiert(e) das Weltgeschehen verschwörungstheoretisch als schleichende Welteroberung durch den ›übermächtigen Feind im Äußeren‹, der angeblich gegen die ›Völker der Welt‹ und besondere gegen das ›deutsche Volk‹ arbeitet. Dieser Sicht entsprechend kündigte er 2003weitere ›enthüllende‹ und ›sensationelle‹ Neuerscheinungen an. Als ein Beispiel derartiger verschwörungsmythologischer und geschichtsrevisionistischer Enthüllungsliteratur darf man das2009 erschienene Buch »Der zweite Weltkrieg« von Helmut Schröcke sehen.

Vortrag: Braune Geschichtslügen aus Tübingen. Rechtsextremismus als Geschäft. Der Tübinger Grabert-Verlag.

Philipp Reisinger, Lucius Teidelbaum
Dienstag, 27. April 2010, 20.00 Uhr, Volkshochschule Tü, Katharinenstr. 18

Der Tübinger Grabert-Verlag gehört zu den ältesten und bedeutendsten extrem rechten Verlagen der Bundesrepublik. Frühe Autoren des Grabert-Verlags hatten oft einen nationalsozialistischen Hintergrund, aktuelle Autoren wirken nicht selten als Ideologen oder Funktionäre extrem rechter Organisationen. Zu den Zielen des Hauses Grabert gehört, eine „revisionistische“ Geschichtsschreibung zu etablieren. Deutsche Kriegsschuld und Holocaust werden relativiert oder geleugnet. Es wird versucht, völkischen Konzepten und antisemitischen Ressentiments neue Geltung zu verschaffen. 
Herbert Grabert, der Gründer des Verlags, war in den 20er und 30er Jahren u.a. im Kontext der „Deutschen Glaubensbewegung“ aktiv, die eine „dritte Konfession“ für das „dritte Reich“ propagierte, bevor er den Nationalsozialismus selbst als Glaubensinhalt erkannte. 
Der Vortrag gibt einen Überblick über die Entwicklung des Verlags und seine Vorgeschichte, die frühen Jahre der Bundesrepublik werden dabei im Zentrum stehen.
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Bericht im Schwäbischen Tagblatt, 29.04.2010:
Blick nach rechts. Der Grabert-Verlag im Vortrags-Visier

Tübingen gilt als Verlagsstadt, spätestens seit Cottas Tagen und danach bis in die Gegenwart hinein. Aber auf ein Verlagsimperium, das lieber im Verborgenen wirkt, ist man hier nun weniger stolz: Mit dem Grabert-Verlag (und dem ihm angeschlossenen Hohenrain-Verlag) beherbergt die Universitätsstadt eins der geschichtsrevisionistischen Flaggschiffe der ganz und gar nicht abgetakelten rechtslastigen Publikations-Armada.