Veranstaltungstermine

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Infoveranstaltung zur Rettung des Wankheimer jüdischen Friedhofs

Datum: 
Dienstag, 02.04.2019: 20.00 Uhr
Veranstaltungsort: 

Ev. Gemeindehaus Wankheim, Obere Straße 17

Informationsveranstaltung, Expertengespräch und Diskussion

 

 Der Wankheimer jüdische Friedhof ist ein für die Region Tübingen – Reutlingen bedeutendes Kulturdenkmal. Hier wurden jüdische Bürger von Wankheim im 18. und 19. Jahrhundert und von 1882 bis 1942 jüdische Tübinger beerdigt. Seit über 70 Jahren ist die ehemalige jüdische Begräbnisstätte ein kulturhistorisches Denkmal. Seine Instandhaltung und Pflege ist eine kommunale Aufgabe der Gemeinde Kusterdingen. Die bisherigen Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen reichen jedoch nicht aus, da der Verfallsprozess dramatisch fortgeschritten ist:
Viele der 140 Grabmäler sind inzwischen durch schädliche Umwelteinflüsse und mehrere Schändungen zerstört. Zahlreiche Inschriften sind nahezu unleserlich geworden.
Die grundlegende Sanierung ist vordringlich geworden.

Die Bilder zeigen das Grabmal des Leopold Hirsch, links der Zustand von 1995, rechts der dramatisch schlechter gewordenen Zustand von 2018.

Bild klein Leopold Hirsch Grabmal  1995.jpgLeopold Hirsch Grabmal 2018 klein.jpg

Der Förderverein für jüdische Kultur in Tübingen e.V. hat 2018 auf eigene Kosten ein Gutachten zur Schadenserfassung und Sanierung der Grabmale in Auftrag gegeben. Der Kusterdinger Restaurator Fabian Schorer wird über die ersten Ergebnisse der Untersuchung berichten und erste Schritte zur Sanierung vorschlagen. Der Stuttgarter Historiker und Judaist, Frowald Gil Hüttenmeister, Verfasser der umfassenden Dokumentation „Der jüdische Friedhof WANKHEIM“ (1995) wird zur überragenden Bedeutung dieses Kulturdenkmals sprechen.

Förderverein für die jüdische Kultur in Tübingen e.V.
Geschichtswerkstatt Tübingen e.V.

Unterstützt wird die Veranstaltung von den Evangelischen Kirchengemeinden Wankheim und Kusterdingen sowie vom Verein Lern- und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus e.V.

Die Bereitschaftspolizei (Bepo) und die NS-Vergangenheit ihrer Ausbilder – am Beispiel Göppingen

Datum: 
Donnerstag, 09.05.2019: 19.00 Uhr
Veranstaltungsort: 

Salzstadel, Madergasse 7, 72020 Tübingen

Vortrag von Michael Kuckenburg

Die Geschichtswerkstatt Tübingen e.V. lädt am 9. Mai 2019 um 19:00 Uhr zum Vortrag „Die Bereitschaftspolizei (Bepo) und die NS-Vergangenheit ihrer Ausbilder – am Beispiel Göppingen“ in das Tübinger Salzstadel ein. Vom 5. Dezember 1966 bis zum 10. April 1968 war Michael Kuckenburg Angehöriger der Bereitschaftspolizei Göppingen (II. Abteilung, 5. Hundertschaft, 2. Zug), damals eine halblegale Möglichkeit, den Wehrdienst zu vermeiden. Über mehrere der Polizeiführer gingen Gerüchte herum: Einer sei bei der SS gewesen, ein anderer habe etwas mit Geiselerschießungen zu tun gehabt, aber niemand wusste Genaues. 50 Jahre später hat Michael Kuckenburg recherchiert. Was er herausgefunden hat, ist drastischer als vermutet: Mehrere seiner Vorgesetzten hatten in Einheiten gedient, die Kriegsverbrechen begangen und sich an der Shoah beteiligten hatten; gegen den Chef der Bepo Baden-Württemberg wurde wegen Mordes an Zivilisten in der Toskana ermittelt, aber während der Ermittlungen wurde er nicht suspendiert, sondern befördert. Die personelle Kontinuität hatten direkte Auswirkungen auf die Ausbildung: Es wurde mit Gewehr, Maschinenpistole und Maschinengewehr MG 42 geschossen, der Einsatz von Handgranaten wurde trainiert, die Auflösung von Demonstrationen wurde geübt (die Zeit der Studentenbewegung hatte begonnen) und es gab endlose Formalausbildung. Zudem war das Prinzip der „inneren Führung“ bei der Bereitschaftspolizei nicht einmal deklaratorisch vorhanden. Für den Dienst in und an der Zivilgesellschaft war diese Ausbildung kontraproduktiv.

 

Michael Kuckenburg war Lehrer am Sindelfinger Goldberg-Gymnasium, wo er unter anderem von 1983 bis 1997 die Geschichtswerkstatt leitete und mit seinen SchülerInnen sieben Broschüren und Bücher zur Lokalgeschichte erarbeitete und schrieb. Für dieses Engagement erhielt er 2008 das Bundesverdienstkreuz. Michael Kuckenburg lebt nach seiner Pensionierung in Tübingen und mischt sich dort zivilgesellschaftlich ein.
Eintritt: frei

 

 

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- Michael Kuckenburg

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Michael Kuckenburg als Angehöriger der Bereitschaftspolizei, 1968